
Das Team des Frauenhauses Telgte war am vergangenen Wochenende tatkräftig und aktivistisch in Münster engagiert: am Samstag beim Streikcafé, am Sonntag bei der Demo zum feministischen Kampftag und am Montag zum Frauenstreik.
Wir haben uns dafür eingesetzt sichtbar zu machen, dass es weiterhin nicht genügend Frauenhausplätze gibt sowie Männergewalt und patriarchalen unterdrückenden Strukturen ein Ende gesetzt werden muss. Falls ihr die Rede bei der Demo verpasst habt, könnt ihr sie hier nochmal nachlesen:
Ich arbeite als Fachfrau im Gewaltschutzsystem. Ich hoffe aber ihr erwartet deshalb keinen super fachlichen Beitrag mit Statistiken und Fachwörtern zu geschlechtsbezogener Gewalt.
Ich habe nämlich keinen Bock mehr auf hochakademisierte Vorträge und Diskurse über patriarchale Gewalt- und Machtdynamiken, die die akademische linke Bubble kaum verlassen.
Ich habe keinen Bock mehr auf Fragen darüber, wie viele Migrantinnen bei uns im Frauenhaus leben, weil es ja wohl die Migranten seien, die ein Problem mit Gewalt gegen Frauen haben.
Ich habe keinen Bock mehr Bittstellerin für Gelder sein zu müssen, weil die Politik bisher keine verlässliche Finanzierung für Frauenhäuser auf die Reihe bekommen hat.
Ich habe keinen Bock bei „not all men“ zu lächeln, wenn es doch „always men“ sind.
Ich habe sowieso auch keinen Bock mehr, überhaupt im Frauenhaus arbeiten zu müssen, weil es gar keine Frauenhäuser geben müssen sollte.
Ich habe keinen Bock mehr, jeden Tag bei unserer Arbeit die Folgen von Männergewalt sehen zu müssen.
Nicht wenn meine Schwestern überall auf der Welt ausgebeutet, unterdrückt, vergewaltigt und getötet werden.
Nicht wenn Frauen und Kindern immer noch nicht geglaubt wird. Wenn das System gegen sie arbeitet und die Schuld für erlebte Gewalt bei ihnen gesucht wird.
Nicht wenn Frauen und Kinder ihr Zuhause, ihr Leben zurücklassen müssen, um in ein Frauenhaus zu fliehen. Wenn sie denn überhaupt einen Schutzplatz finden, denn davon gibt es noch immer viel zu wenig.
Nicht wenn so ziemlich jede Frau, die ich kenne, schon irgendeine Art von geschlechtsspezifischer Gewalt erlebt hat, während niemand Täter zu kennen scheint.
Nicht wenn die Antwort der Regierung die Fußfessel ist, die ohne eine Gesamtstrategie gegen Männergewalt nur ein Pflaster auf einer klaffenden Wunde ist.
Jeden Tag sehe ich Frauen, die Unglaubliches leisten. Die in dieser schlimmen Situation mutig und entschlossen sind. Die für sich und ihre Kinder ein neues Leben aufbauen. Trotz aller Steine, die ihnen in den Weg gelegt werden. Während der Täter sein Leben einfach weiterleben darf. Jeden Tag bin ich beeindruckt von diesen Frauen. Sie sollten das alles aber gar nicht tun müssen.
Und das macht mich einfach nur wütend.
Am liebsten würde ich einfach sagen, „Männer, bekommt euren Scheiß auf die Reihe“, aber ich weiß, so einfach ist es nicht.
Aber ich fordere echte Prävention. Echte Solidarität. Kein Kumpelbonus mehr für Täter. Kein Lachen über Sexismus. Kein Hinnehmen von Gewalt. Kein Herunterspielen. Keine Entschuldigungen. Gewalt gegen Frauen ist ein Männerproblem. Also müssen auch Männer Verantwortung übernehmen. Wir können es nicht allein schaffen. Wir können nicht länger die Folgen von Männergewalt tragen. Wir sind viele, also lasst uns gemeinsam kämpfen – für eine Zukunft, in der es keine Frauenhäuser und keine Beratungsstellen mehr braucht!
